Liebe ist...

Hmmm... schwärmen, schwelgen, schmachten– Liebe kann soooo schön sein! Ob im siebenten Himmel oder in der Liebeskummer-Hölle: Dieser Gefühlsvulkan macht uns zu Helden, Engeln, Süchtigen oder Volltrotteln. Was aber steckt hinter diesem unsichtbaren Phänomen, das zwar Schmetterlinge in den Bauch zaubern, sich aber auch genauso schnell verbrauchen kann? Liebe gilt im Allgemeinen als die stärkste Zuneigung, die ein Mensch für einen anderen empfinden kann. Als schillernden Begriff beschreibt sie etwas Unsichtbares, das quer durch die verschiedenen Epochen, Kulturen und Gesellschaften unterschiedlichen Auffassungen und Verhaltensregeln unterliegt. Im Idealfall aber geht es zwischen Liebenden um gegenseitige tiefe Wertschätzung und eine positive, innige Verbundenheit, die den reinen Zweck zwischenmenschlichen Beziehung weit übersteigt.

Kosenamen und SMS
Nicht selten wird Liebe auch als Ruhezone und Gegenmodell zu den Beschränkungen und Anforderungen einer stressigen Alltags-, Schul- und Arbeitswelt aufgefasst. Wen es erstmal erwischt hat, der kann sich, zumindest anfangs, kaum noch kontrollieren: Blicke, Mimik, Unruhe oder Körperhaltung verraten den vom Blitz Getroffenen. Im Glücksfall beruht die Liebe auf Gegenseitigkeit und endlich können die Turteltäubchen auf einer umfangreichen Tastatur der Möglichkeiten spielen: von schmachtenden Blicken über sanfte Zärtlichkeiten bis hin zu intimen Liebesbeweisen. Sogar die Sprache wird sanfter, Komplimente und Kosenamen kommen ins Spiel, wobei letztere mit „Liebling“, „Schatz“ oder diversen Tiernamen leider an Einfallslosigkeit kaum noch zu unterbieten sind. Ausführliche Liebeserklärungen in hingehauchten Liebesbriefen haben inzwischen eher Seltenheitswert. Heute kommen kurze Liebesbotschaften per SMS, aber auch das kann ja romantisch sein. Für viele Menschen gehören Rituale wie Verlobung oder Hochzeit ebenso zur Liebe dazu wie Liebes-Symbole, beispielsweise in Form von Freundschaftsringen.

Zauberformel des Frühlings....
Wenn im Frühling die Natur erwacht, wirkt das auf viele Menschen wie Doping fürs Gemüt. Kaum steigen die Temperaturen, schon sind auch wir empfänglicher als sonst für bestimmte, vielversprechende Reize. Schuld daran sind „lichtempfindliche“ Hormone wie das Schlafhormon Melatonin, das im Frühling weniger produziert wird als im Winter. Offensichtlich regt zunehmendes Licht und abnehmendes Melatonin auch die sexuelle Lust an. Dass die Botenstoffe im Lenz verrückt spielen, sei ein Überbleibsel unserer Vorfahren, sagt der Forscher Günter Stalla vom Münchner Max-Planck-Institut. Unser Urinstinkt sagt uns, dass es jetzt besonders passt. Warum? Das Frühjahr bietet seit jeher die besten Umweltbedingungen für Fortpflanzung und Jungenaufzucht, weil jetzt die Überlebenschancen gut und das Nahrungsangebot am größten war.

Chemie ist Trumpf
Hat es uns tatsächlich erwischt, dann greift Amor erneut in seinen Bio-Chemie-Kasten und schickt verschiedene Botenstoffe für Begeisterung (Dopamin), Aufregung (Adrenalin), rauschartige Glücksgefühle und tiefes Wohlbefinden (Endorphin und Cortisol) auf die Reise. Die bekanntesten Liebeshormone wie das männliche Testosteron und das weibliche Östrogen haben jetzt Hochkonjunktur. Die Sexualduftstoffe (Pheromone) werden vermehrt abgegeben, und der Serotoninspiegel sinkt stark ab, so dass die Verliebtheit sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit vielen psychischen Krankheiten aufweist. Das würde auch erklären, warum Verliebte sich zumindest zeitweise in einem Zustand der Unzurechnungsfähigkeit befinden können.

Hormone spielen verrückt
Allerdings währt der hormonell bedingte Liebesrausch nicht ewig und drei Tage. Vielleicht hat deshalb so manche Jugendliebe auch nur ein begrenztes Haltbarkeitsdatum. Dauert die Beziehung länger, dann gewöhnt sich der Körper leider an die Hormon-Dosen, und spätestens nach drei bis vier Jahren ist der Zauber dann vorbei. So überrascht es auch kaum, dass sich die meisten Menschen am häufigsten genau in dieser Phase trennen Wer den Wechsel vom leidenschaftlichen Rausch zur partnerschaftlichen Liebesbeziehung ohne große Enttäuschung überleben will, der sollte mit „Entzugserscheinungen“ des Liebesrausches umgehen können: Denn ohne rosarote Brille treten viele zuerst nicht störenden Eigenschaften beim Partner plötzlich als nervende Eigenarten offen zutage. Nach der enthusiastischen Verliebtheit wird die Beziehung nun eher von freundschaftlichen Aspekten und gemeinsamen Interessen geprägt. Und schon wieder laufen bestimmte chemische Prozesse ab: Jetzt kommt die Zeit der Treue-Hormone Oxytocin und Vasopressin, die Vertrautheit und Bindungen verstärken. Wer jetzt auf Schmusekurs geht, gewinnt. Denn ein intensiver Hautkontakt fördert die Oxytocinproduktion und verleitet uns deshalb weniger dazu, woanders Befriedigung zu suchen.

Ist Liebe nichts weiter als ein chemischer Prozess?
Ganz sicher nicht! Natürlich sollten wir selbst unser Schicksal in die Hand nehmen. Und dabei kann neben unseren eigenen Fähigkeiten als aktiver Liebes-Regisseur auch etwas psychologisches Verständnis nicht schaden. Männer wie Frauen, Jungs wie Mädchen haben ein inneres Partnermuster, das sich aus Vorlieben, Abneigungen und vergangenen Erfahrungen zusammensetzt. Dementsprechend individuell sind die Kriterien für Sympathie und Verliebtheit wie Humor, Einstellung, Aussehen, und Auftreten. Frühe Kindheitsmuster beeinflussen unser „Beuteschema“ ebenso wie aktuelle Moden. Ganz wichtig ist das richtige Timing – alles muss stimmen: Ort, Zeit, Gelegenheit und natürlich die Bereitschaft, sich zu verlieben.

Flirtbeschleuniger
Wer etwas nachhelfen will, kann durch ein gutes Selbstbewusstsein, eine unverkrampfte Ausstrahlung und zwanglose Neugierde auf den Schwarm Pluspunkte sammeln. Der ultimative Psycho-Trick lautet: Herzklopfen wirkt wie ein Flirtbeschleuniger. Bringt also das Objekt eurer Begierde in eine prickelnde Situation – es muss ja nicht gleich Bungeejumping sein. Wenn der Funke schließlich überspringt, können übrigens auch Schwächen beim Anderen attraktiv wirken. So haben auch wir die Chance, unsere schwachen Seiten zu zeigen und auf gegenseitiges Verständnis hoffen.

Tennisschläger und Kanonen
Später ergibt dann die richtige Mischung aus Nähe und Freiraum eine funktionierende Liebesbeziehung. Und Paarforscher Jürg Willi weiß, dass Power und Dynamik den Paaren besser bekommt als einschläfernde Harmonie: Für ihn ist die Liebesbeziehung eher ein spannendes Tennismatch mit gleichstarken Spielern als eine dauerhafte Umarmung. Also dann: Tennisschläger raus und ab und zu mal über das Netz springen!